Management und Kooperation in der Radiologie
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Radiologienetz/Curagita bitten um faire Berichterstattung in den Mitteilungen des BDR

Offener Brief von Dr. Johannes Schmidt-Tophoff an den BDR vom 09. April 2014

Sehr geehrte Frau Lingelbach,
sehr geehrter Herr Cramer,
sehr geehrter Herr Doktor Altland,

in Ihrem Artikel in Der Radiologe 3/2014 S. 297 zur Delegiertenversammlung 2014 schreiben Sie unter dem Untertitel „Kooperation = Korruption?“: „[…] Die Insolvenz der Hanserad-Gruppe und die sich daran anschließende Übernahme durch Curagita und Einverleibung von Conradia, sensibilisieren aber auch die Radiologie. Regel- und gesetzeskonforme Kooperationen aber sind zukunftsfähig und werden gerade in einem so stark investitionsabhängigen Bereich wie der Radiologie voranschreiten und von uns, wo möglich, sorgsam begleitet.“. Sie stellen uns hier in einen Zusammenhang mit etwaigen Machenschaften des (bisher wohl noch nicht angeklagten) Hanserad-Vorbesitzers. Ich möchte daher etwaige Missverständnisse ausräumen und bitte Sie, dies in auch Ihren Gremien entsprechend zu kommunizieren.

1. Curagita hat mit der Hanserad-Vergangenheit nichts zu tun: Weder die Hanserad Hamburg noch die Diagnoseklinik München waren vor der Insolvenz Mitglied des Radiologienetz oder Kunde von Curagita. Aufgrund eines Asset Deals sind wir auch keine Rechtsnachfolger. Der Hanserad-Vorbesitzer hat vielmehr mit vielen anderen Firmen zusammengearbeitet. So haben wir z.B. nach der Übernahme der Geschäftsführung in Hanserad-Lagern geschätzte Vieljahres-Verbrauchsmengen an Kontrastmitteln vorgefunden (insb. Dotarem und Magnevision). Offenbar gab es schon länger den Verdacht auf Unregelmäßigkeiten, wie die Presse auch unter Verweis auf BDR-Quellen meldete, aber Curagita hat mit der Hanserad-Vergangenheit nichts zu tun. 

2. Curagita unterstützt die Staatsanwaltschaft und „säubert“ Hanserad und Diagnoseklinik: Wir haben die Insolvenzverwalter und Staatsanwaltschaft bei der Aufklärung vollumfänglich unterstützt. Zudem tun wir alles, um zu verhindern, dass nicht verkehrsfähige Kontrastmittel erneut in den Verkehr gelangt, nachdem die Lieferanten eine Rücknahme verweigert haben. Als Bevollmächtigte des Insolvenzverwalters haben wir alle dubiosen Kooperationsverträge mit den Alt-MVZs gekündigt, was allein in München einen Umsatzverlust von € 3 Mio. (auf Jahresbasis) bedeutet. Interessanterweise haben wir sogar Nachahmer bei einigen Münchner Praxen gefunden! Wir haben uns weiterhin von einigen Ärzten und Mitarbeitern der Hanserad/Diagnoseklinik getrennt, bei denen wir Zweifel an ihrer Integrität hatten. Alle anderen Ärzte haben wir per Dienstvertrag auf die beiliegenden Zuweiserkooperations- und Kontrastmittel-Kodizes verpflichtet, auch um Organisationsversagen zu minimieren. Wir erfahren auf diesem Weg große Unterstützung von Seiten der KV Hamburg (und Bayern), die – anders als von Dritten behauptet –  alle Hanserad-Ärzte (außer Auffermann selbst) vom Vorwurf der Mittäterschaft „freigesprochen“ und die Anstellungsgenehmigungen (Zulassungen) an unsere neuen MVZs übertragen hat. Auch die geschädigten Kassen fördern unsere unnachgiebigen Säuberungen und wollen sogar unser qualitätsgesichertes Kontrastmittel-Trackingsystem deutschlandweit einführen.

3. Curagita und Radiologienetz kämpfen gegen Korruption und unterstützen Initiativen zu einem Korruptionsparagraphen: Als Marktteilnehmer sind wir höchst besorgt über Machenschaften im Kontrastmittel- wie auch im Zuweisungsbereich und das z.T. mangelnde Unrechtsbewußtsein auf Seiten der Zuweiser und der Empfangenden. Diese Machenschaften gefährden den guten Ruf der Ärzteschaft und schwächen berechtigte Forderungen nach höherem Radiologenhonorar. Unser beiliegender Kodex listet einige der Verführungen auf, die uns Radiologen mitteilten - verbunden mit der Aufforderung, diese Zahlungen zu übernehmen, um uns deren Mitgliedschaft zu „erkaufen“. Wir lehnen das kategorisch ab! Andere Radiologen beteiligen sich unerlaubterweise am Kontrastmittel-Zwischenhandel. Curagita hat dagegen ihre Geschäftsbesorgungsverträge von mehreren Ärztekammern begutachten lassen und die Deutsche Radiologienetz AG fern von jedem Kontrastmittelgeschäft gegründet. Wir unterstützen den BDR mit aller Kraft dabei, die eigenen Mitglieder und Nachbar-Verbände (z.B. Orthopäden, Kardiologen, Pharma) noch stärker und bereits vor Inkrafttreten des Paragraphen für Korruptionstatbestände zu sensibilisieren.

4. Hinter Curagita steht die Deutsche Radiologienetz AG (DeRaG): Mit der DeRaG wollen unsere 360 Mitgliedsradiologen in 100 Praxen und 70 angeschlossenen KH-Abteilungen eine Stärkung der niedergelassenen Radiologie erreichen. In ihrem Auftrag haben wir die Hanserad/Diagnoseklinik übernommen. Unser Angebot wurde vom Gläubigerausschuss gegenüber großen Krankenhaus- und Radiologengruppen bevorzugt, weil wir das auch aus Sicht der betroffenen Ärzte nachhaltigste Fortführungskonzept mit Erhalt der besten Vorortversorgung und der meisten Arbeitsplätze glaubhaft machen konnten. Mit der DeRaG verfolgen wir ein “genossenschaftliches“ Konzept, d.h. wir beteiligen die bisher angestellten Ärzte am Vorort-MVZ und an der zu 75% von niedergelassenen Radiologen gehaltenen DeRaG-Betreiber-AG. Dies ermöglicht eine Freiberuflichkeit auf höherer Ebene. Curagita bleibt mit 25% in der Minderheit. Mit unserem 15-köpfigen radiologischen Fachbeirat und den radiologischen Aufsichtsräten (Dres. Nunninger, Schneider, Witt) haben wir einen ausdifferenzierten Katalog von Informations-, Zustimmungs- und Entscheidungsrechten je Geschäftsvorfall erarbeitet, der einen Durchgriff des freiberuflichen Radiologen ermöglicht – weit hinaus über das, was in vielen Gemeinschaftspraxen und Verbünden Brauch ist. So erreichen wir die nachfolgende „Radiologengeneration Y“ und ermöglichen älteren Kollegen den Praxisausstieg.

5. „Einverleibung“ der Conradia ist polemisierend und trifft nicht die Motivation der Radiologen: Conradia Hamburg war lange Jahre Mitglied des Radiologienetz Deutschland. Die Conradia-Partner wurden vor der Übernahme der benachbarten Hanserad um ihre Meinung gefragt und waren mehrheitlich einverstanden. Nun haben sich Conradia-Ärzte freiwillig für einen Zusammenschluss zur Ausschöpfung der überzeugenden Synergien und für unser „genossenschaftliches“, zukunftssicherndes Beteiligungskonzept entschieden. Fragen Sie sie doch bitte selbst nach ihren Motiven, keiner wird aber von „Einverleibung“ sprechen. Gerne stellen wir Ihnen das Konzept unserer „Radiologengenossenschaft“ DeRaG näher vor und erläutern, warum wir diese Kooperationsform als attraktive Option und Bereicherung für die niedergelassene Radiologie erachten.

Wir wissen um die Vorbehalte innerhalb der BDR-Führung gegenüber Curagita und dem Radiologienetz (mit seinen überproportional vielen (aktiven) BDR-Mitgliedern). Auch wenn wir diese in Ihren Augen bisher nicht ausräumen konnten, bitte ich Sie doch um Fairness in der Berichterstattung. Am Ende arbeiten wir für die gleiche Sache, auch wenn der konstruktiv gemeinte Beitrag unserer Mitgliedsärzte von Ihnen kaum gewürdigt wird. So sind in den neuesten Jahresbericht des ZI-Praxispanels 2014 (Bezugsjahr 2012) zentrale Argumente aus unserem Einsparvorschlag „CuraSequenz“ eingeflossen, die durch die von uns beauftragten Gutachten von Prof. Neubauer nachgewiesen wurden. Ganz neu aufgenommen wurden die von uns in die Diskussion eingeführten, leider in Ihrem Artikel (Der Radiologe 3/2014) auf S. 303 unerwähnt gebliebenen kalkulatorischen Eigenkapitalkosten (S. 11-13 und S. 34-37; S. 11-12 sind fast wörtliche Zitate aus unseren Gutachten; zu Afa vgl. S. 19). Weiterhin: „Die Berücksichtigung der Finanzierungskosten in diesen Praxen würde den Aufwand erhöhen und hätte einen geringeren Überschuß zur Folge“ (S. 34). Dies ist ein Erfolg für die niedergelassene Radiologie insgesamt, sind doch nun mit dieser Steilvorlage die jährlich neu verkündeten Top-Verdienste von Radiologen mit höchst eminenzbasierter Segnung zu hinterfragen – und das war das Hauptziel des Lobbyings unseres aus 15 teilweise altgedienten BDR-Aktivisten bestehenden radiologischen Fachbeirates.

Wir finden gut, dass Sie sich für die Handlungen des Radiologienetz „sensibilisieren“ und diese „sorgsam begleiten“. Dann werden Sie feststellen, dass die beteiligten niedergelassenen Radiologen ihr Schicksal in die eigene Hand nehmen wollen und dabei effektive wie effiziente neue Kooperationswege finden, um sich dem Honorardruck, dem Druck durch Krankenhäuser, Zuweiser und Aufkauf-Radiologen sowie dem Nachfolgeproblem zu entwinden – als „Genossen“ in einem starken freiberuflichen Verbund und ganz ohne Korruption.

Mit freundlichen Grüßen,
Johannes Schmidt-Tophoff

Vorstand der Deutsche Radiologienetz AG
Aufsichtsrat der Curagita AG

© Curagita AG, Haus der Radiologie, Ringstr. 19 B, 69115 Heidelberg.